New Year Prayer of the Rector of St Lambert’s, Münster
Neujahrsgebet des Pfarrers der Kirche von St. Lamberti in Münster
Hermann Kappen (1818-1901)
Neujahrsgebet des Pfarrers der Kirche von St. Lamberti in Münster
Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen,
aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen ihr letztes Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamten, Geschäfts- und
Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht
wohltätig sind.
Gib´ den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den
Himmel kommen. Aber nicht sofort!
New Year Prayer of the Rector of St Lambert’s, Münster
Lord, set limits to abundance
and let the limits be redundant.
Let people make no bad money,
let money make no bad people.
Remove the wives’ last word,
remind the husbands of their first.
Grant our friends more truth,
grant the truth more friends.
Make all officials beneficial,
all business people better people;
make all who are active, productive.
Give our governors better German,
give Germans a better government.
Lord, see that we all go to heaven.
But not just yet!
Translation: Copyright © Timothy Adès
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Old joy rises new
Die alte Lust ist neu erstanden
Theodor Storm (1817 –-88)
Die alte Lust ist neu erstanden
Die alte Lust ist neu erstanden,
Pfingstglocken läuten übers Feld,
Und neu erwacht aus Schlummerbanden
In Liebesschauer rings die Welt;
Und jugendsüße Träume weben
Wie Märchen auf dem alten Stern.
Warum, o mein geliebtes Leben,
O sprich, warum bist du so fern?
Old joy rises new
Old joy rises new,
The Whitsun-bells clamour,
The world in love’s tremor
Is waking from slumber.
Sweet stripling-dreams weave
Tales round the old star.
O speak, my loved life:
Why tarry so far?
Translation: Copyright © Timothy Adès
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Sleepless
Schlaflos
Theodor Storm (1817 –-88)
Schlaflos
Aus Träumen in Ängsten bin ich erwacht;
Was singt doch die Lerche so tief in der Nacht!
Der Tag ist gegangen, der Morgen ist fern,
Aufs Kissen hernieder scheinen die Stern'.
Und immer hör ich den Lerchengesang;
O Stimme des Tages, mein Herz ist bang.
Sleepless
From dreaming I wake in distress and in fright;
O why does the lark sing so late in the night!
The daylight has vanished and daybreak is far,
And here on my pillow shines many a star.
The lark is still singing, the voice of the morrow,
The lark trills for joy, my heart breaks in sorrow.
Translation: Copyright © Timothy Adès
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The flowers at my window
Die Blumen vor meinem Fenster
Mathilde Raven (1817-1902)
Die Blumen vor meinem Fenster
Die Blumen vor meinem Fenster
sind liebe Gefährten mir.
Ich plaudre in einsamen Stunden,
mit ihnen vertraulich von Dir.
Sie wissen, wie wir uns lieben,
sie sehen's, und sie nur allein.
Wie wir uns küssen und herzen
im heimlichen Stübchen mein.
Sie dürfen es sehen - sie lieben
ja selber. Der Sonnenstrahl,
das ist der Blumen Geliebter,
der küßt sie viel tausendmal.
The flowers at my window
The flowers at my window,
They are my dear good friends.
In lonely hours I tell them
Of you, in confidence.
They see us at our loving,
They know, no others do,
How in my cosy parlour
We kiss and bill and coo.
And they’ve a right to see us,
For they too have a lover:
The sunbeam gives them kisses,
Yea, thousands, over and over.
Translation: Copyright © Timothy Adès
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Fading of day
Der Tag verblüht
Jakob Vogel von Glarus (1816-99)
Der Tag verblüht
Der Tag verblüht
Und in der heil'gen Stille
Stirbt hin das Lied,
Das klagende, der Grille.
Kein Lüftchen geht;
Das Bächlein murmelt leise
Im Kieselbett
Die alte Wanderweise!
Die Höh'n verglühn
Und es fängt an zu dunkeln –
Am Himmel blühn
Die Sterne auf mit Funkeln!
Ruh', ringsrum Ruh';
Ja, alles atmet Frieden:
O, gieb ihn du,
Natur, auch mir, dem Müden!
Fading of day
Fading of day:
In holy quiet,
The cricket’s mutter dies away.
No breeze; the rill
Murmurs in pebble-bed
Roving-songs still.
The peaks cool; darkness falls;
In heaven, the sparkling stars.
All is repose,
All breathes peace.
Nature, bestow
This on my weariness!
Translation: Copyright © Timothy Adès
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Farewell
Nun leb wohl
Albert Graf von Schlippenbach (1800-86)
Nun leb wohl
Nun leb' wohl, du kleine Gasse,
nun leb' wohl, du stilles Dach!
Vater, Mutter sahn mir traurig,
und die Liebste sah mir nach.
Hier in weiter, weiter Ferne,
wie's mich nach der Heimat zieht!
Lustig singen die Gesellen;
doch es ist ein falsches Lied.
Andre Städtchen kommen freilich,
andre Mädchen zu Gesicht;
ach wohl sind es andre Mädchen,
doch die eine ist es nicht!
Andre Städtchen, andre Mädchen,
ich da mitten drin so stumm!
Andre Mädchen, andre Städtchen,
o wie gerne kehrt' ich um!
Farewell
Farewell, the dear lane I am leaving,
farewell, peaceful homestead, to you!
My parents looked on and were grieving,
my darling gazed after me too.
While far, far away I am winging,
it’s for my own country I long.
Good fellows are merrily singing,
but the words are mistaken and wrong.
No doubt I shall see other places
and other sweet faces I’ll see;
ah yes, there will be other faces,
but never the one that’s for me!
New places and new pretty faces,
and I in amongst them, struck dumb.
So many new faces and places,
but oh! how I’d love to go home!
Translation: Copyright © Timothy Adès
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The Heron
Der Reiher
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Der Reiher
Wenn spazieren geht der Reiher,
Denkt er über manches nach:
Ob sich's besser fischt am Weiher
Oder besser noch am Bach.
Endlich hat er sich entschlossen,
Geht zum Weiher hin und fischt,
Und da weilt er unverdrossen,
Bis er einen Fisch erwischt.
Warten, das versteht er prächtig,
Langeweile kennt er nicht;
Was er tut, er tut's bedächtig,
Und Geduld ist seine Pflicht. -
Willst du irgendwas erringen,
Lern vom Reiher mancherlei,
Und Geduld vor allen Dingen
Bestens dir empfohlen sei.
The Heron
When the heron goes out walking
He must think, he must decide:
Will the pond be best for fishing
Or instead the riverside.
When he’s finally decided
On the pond, for that’s his wish,
There he bides his time untroubled,
Looking out to catch a fish.
He has grasped the trick of waiting,
He is never, ever bored:
All he does is well-considered,
Patience is his guiding word.
If you hope for an achievement
Learn the heron’s lesson well.
Here’s the best that’s recommended:
Patience, patience most of all
Translation: Copyright © Timothy Adès
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